Blog Hotel Sylter Hof *Berlin*

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Unser Nachtportier erzählt (5)

Februar 14th, 2011· Keine Kommentare

     Erlebnisse in der Tram oder Theater ohne Geld 

Ich fahre beinahe täglich mit der Tram/U-Bahn zur Arbeit; jede Fahrt ist in voller Hinsicht ein Genuss. Wie im richtigen Theater werden alle Sinne angesprochen. Schon beim Einsteigen in die M6 muss ich Fitness beweisen, es gilt die Einkäufe, die viele Fahrgäste beim blau-gelben Möbelriesen getätigt haben, zu überspringen oder geschickt zu umrunden.

Zwei Stationen später zieht ein mediterraner Duft durch den Wagen: Ein Döner mit viel Knoblauchsoße wird zu Ende gegessen. Dann ertönt aus einer anderen Ecke immer lauter werdend der Triumphmarsch aus „AIDA“, ein schmächtiges Girlie im Schlabberlook kramt nervös nach dem Handy. Endlich verstummen die 80 dB, dafür wird jetzt in reinstem Berlinisch der „jewesene Tach ausjewertet. Gut, sollen doch alle wissen „det se Ärjer uff de Penne hatte“.

Ein wenig später drängt eine Gruppe spanischer Touristen herein, alle beschließen lautstark, dass sie kein Ticket brauchen. Beim nächsten Halt steigen sie aus – nun entern discomäßig gestylte Teenies die Bahn und verbreiten ein Odeur von Alkopops, cool water und anderen „Schönheitsmittelchen“.

Ich habe noch zehn Fahrminuten vor mir – mal sehen….

Meine Erwartungen werden voll erfüllt: Zwei Szenetypen mit gegelten Fantasie-Frisuren haben schon ein wenig „vorgefeiert“ und nuckeln abwechselnd an einer Proseccoflasche. Währenddessen werden noch schnell die anstehenden Termine per SMS gecheckt und laut besprochen. Ich kenne nun ungewollt ihren nächtlichen Marathon und bin froh, dass ich zur Arbeit fahre./HT

Tags: Nachtgeschichten · Vom Sylter Hofe

Von: BS