Blog Hotel Sylter Hof *Berlin*

für Gäste und Freunde des Hotel Sylter Hof *Berlin*

English Service

März 9th, 2012· 3 Kommentare

Wer denkt, dass internationale Frühstücksbuffet gibt es in jedem Hotel auf der Welt, der hat sich getäuscht. Ich arbeite seit ein paar Tagen im Danesfield House & Spa Hotel in Buckinghamshire in Old Good England. Es hat einen Michelin Stern für das Adam Simmonds Restaurant erhalten und wurde mehrmals ausgezeichnet, z. B. mit den Four Red Rosettes Award und Gewinner beim Most Excellent Hotel Meeting Venue UK 2010, Condé Nast Johansens Award for Excellence.

Wenn man einmal erleben möchte, wie englischer Service funktioniert und abläuft, sollte genau hierher kommen. Gerade beim Frühstück erkennt man deutliche Unterschiede zum Frühstücksservice in Deutschland. Das Buffet ist recht übersichtlich: Süßes Gebäck, süßer Aufstrich, Käse, Wurst, Obst und getrocknete Früchte, Müsli und Cornflakes, Milch sowie frische Säfte. Aber Alles super frisch! Alles Weitere wird direkt am Gasttisch serviert. Denn: Nähe und Individualität gegenüber den Gästen wird hier ganz groß geschrieben!

Sobald die Gäste freundlich begrüßt worden sind und Platz genommen haben werden sie, so wie auch bei uns, nach ihrem Getränkewunsch gefragt. Doch das ist nicht das einzige. Sie können aus einer Frühstückskarte zusätzlich zum Frühstücksbuffet eine warme Speise bestellen (die natürlich extra berechnet wird). Viele Gäste wählen Eggs Benedikt, Eggs Florentine oder Smoked Salmon.

Das Toast wird mit der Marmelade und Butter frisch serviert, deshalb findet man diese Frühstücksbestandteile auch nicht am Buffet.

Die bestellten Eier werden mit Tisch- und Platznummer notiert und in die Küche gebracht. Die Speisen werden dann hier frisch zubereitet. Nun komme ich auch schon zum nächsten Unterschied. Jeder Hotelmitarbeiter kennt die Hierarchie in einem Restaurant, angefangen vom Commis über den Chef de Rang bis hin zum Restaurant Manager. Doch sie wird kaum noch angewendet bzw. es wird nicht auf die strikte Einteilung geachtet. Nicht so in England. Hier findet sie noch oft Anwendung, so auch im Danesfield Hotel.

Als Beispiel: Während die bestellten Eggs Benedikt von der Küchencrew zubereitet werden, bereitet einer der Commis die bestellte Kaffeespezialität eigenhändig vor. Ja, Sie haben richtig gehört! Hier gibt es keine große Maschine, bei der man nur einen Knopf betätigen muss, und schon hat man einen fertigen Latte Machiato. Der Kaffee wird ganz frisch gebrüht und die Milch frisch aufgeschlagen.

Sobald die Eier fertig sind, hört man „Service, please!“ rufen und man muss sofort „Yes chief“ antworten, alles auf ein Tablett stellen und ab ins Restaurant.

Hier wird dann vom Chef de Rang oder Demi Chef de Rang abgenommen und am Gast serviert. Wenn es mal sehr busy ist, dann können die Getränke selbstverständlich auch von den Commis serviert werden. Genauso, wenn ein Gast nach dem Menü fragt, kann man natürlich nicht sagen, das man nur Commis ist und somit nicht dafür verantwortlich.

Afternoon Tea ist ja in Deutschland nicht gerade breit verbreitet, doch in England wird er quasi celebriert. Deshalb hat das Hotel auch eine eigene Patisserie die jeden Tag frisches Gebäck zum Afternoon Tea bäckt. Ich durfte an meinem ersten Tag eines dieser Gebäcke probieren. Man ist es traditionell mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade. Ein Traum! Und den Tee kann man auch nicht mit dem deutschen vergleichen. Meine Großeltern trinken manchmal schwarzen Tee und ich habe ihn manchmal probiert, jedoch hat er mir nie geschmeckt. Versucht man in England einmal Darjeeling, kommt man nicht mehr davon los.  🙂

Dass man hier Alle, selbst den F & B Manager mit den Vornamen anspricht, daran muss man sich erst mal gewöhnen. Das führt jedoch auch dazu, das man ein größeres Wir-Gefühl entsteht.

Ich werde die ersten Wochen als Commis arbeiten. Dies ist verständlich, da die oben aufgelisteten Unterschiede zum Deutschen Service noch nicht alle waren. Andererseits fragt man sich für einen kurzen Moment, wozu man die Ausbildung gemacht hat. Doch in England gibt es ja die Art Ausbildung, wie wir sie kennen, nicht. Wenn ich mich gut anstelle und mein Englisch noch besser wird, werde ich bald auch mehr im Restaurant und somit auch näher am Gast arbeiten dürfen.  Doch schon jetzt sind sie zufrieden, da sie sehen, dass ich die Grundstandards kenne und es kein Neuland für mich ist. Somit ein großes Dankeschön an Herr Piconi und Herr Fritze, die den Azubis alles Wichtige beibringen, auch wenn sie es nicht immer einfach mit uns hatten bzw. haben!

Falls weiteres Interesse an noch mehr Berichten über den Englischen Service besteht, lasse ich mich vielleicht dazu breit schlagen, mehr zu schreiben. 🙂

AH

Tags: Ehemalige - Alumni

Von: Trulla12

3 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Nighty // Mrz 9, 2012 at 15:12

    Ein ganz toller Artikel – wir sind alle süchtig nach inputs aus Old Good England! Und Übung im Breitschlagen haben wir auch – also bitte, bitte weiter berichten, liebe AH!

  • 2 Nicky // Mrz 9, 2012 at 16:49

    Ein super Artikel…. wir freuen uns immer von dir zu hören, zur Not kriechen wir mental auch auf die Knie vor dir, damit noch ein paar Artikel schreibst. Wir lernen ja auch daraus.
    VLG von KS,SS, AS uns mir 🙂

  • 3 BS // Mrz 10, 2012 at 14:44

    Liebe AH, auch von mir herzlichen Dank für den tollen Bericht und bitte mehr, mehr, mehr … GLG BS