Blog Hotel Sylter Hof *Berlin*

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Unser Nighty erzählt … Tramgeschichten oder Theater ohne Geld (10)

November 2nd, 2013· Keine Kommentare

NightyB

Es hat sich wieder einiges in „meiner M6“ ereignet: Letztens konnte ich nur mit Müh‘ und Not mitfahren, so voll war die Straßenbahn! Dicht an dicht und direkt im Türbereich (man könnte ja den Ausstieg verpassen) standen ca. 20 Jugendliche in Party-Laune. Sie kamen dem Wortklang nach aus Dänemark und wollten zum Alexanderplatz. Lautstark tauschten sie ihre ersten Eindrücke über Berlin, ihr Hotel und sonstige Nettigkeiten aus. Mit Alexanderplatz hatten sie genau ins Schwarze getroffen: „Oktoberfest“ in Berlin, na denn Prost!

Einige Tage später fiel mir ein junger Mann auf: Er stand an der vorderen Tür und presste einen in ein Geschirrtuch gewickelten Eisbeutel auf die rechte Wange und litt sehr offensichtlich an Zahnschmerzen. Noch fünf Stationen, dann war das Klinikum im Friedrichshain erreicht und er konnte sich vom zahnärztlichen Notdienst erlösen lassen. Kurz vor der Haltestelle verringerte die Tram die Geschwindigkeit und die Fahrerin zeigte dem Patienten in langsamster Vorbeifahrt die Zahnarztpraxis. Beim Halt gab sie ihm noch ein paar aufmunternde Worte mit auf den Weg – ein toller Service!

An einem der folgenden Tage bewies ein anderer Fahrer ebenfalls, dass BVGler nette Menschen mit viel Erfahrung und Menschenkenntnis sind: Lautstark drängte eine „Brautparty“ in die Bahn, alle Mädels waren hübsch und sexy kostümiert: Sie boten reihum einige „Piccolöchen“ an und die Braut versuchte aus ihrem Bauchladen diverse Kleinigkeiten (u. a. Schokoriegel, Taschentücher, Mini-Liköre und Kondome) an die Fahrgäste zu verkaufen. „Wir brauchen die Knete dringend für unsere Feier.“

Auch den Fahrer verschonten die Junggesellinnen beim nächsten Halt nicht und er kaufte ihnen sogar einen Schokoriegel ab.

Überhaupt sind die Tramfahrerinnen/-fahrer coole Typen – sie ertragen geduldig das Be- und Entladen von Möbeln bzw. Möbelteilen und Unmengen von beim gelbblauen Möbelriesen getätigten Einkäufen in ihre Waggons, erteilen Auskünfte über Tarife und Streckenverläufe der einzelnen Linien. Und sind fast immer pünktlich – im Gegensatz zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln!

Tags: Nachtgeschichten · Vom Sylter Hofe

Von: BS