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Unser Nachtportier erzählt … über neue Erlebnisse in der Tram

August 9th, 2014· Keine Kommentare

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Erlebnisse in der Tram oder Theater ohne Geld

Der Juli ist vorbei, der sommerlich August hat begonnen. Bei den Monatskartenbesitzern der öffentlichen Nahverkehrsmittel heißt das: Kartenwechsel! Die Kontrolleure sind unerbittlich, wenn man keine gültige Fahrkarte vorweisen kann, sondern nur die alte Abo-Karte aus der Tasche kramt. Das heißt dann 10,- € Nach(hilfe)gebühr bezahlen und an einem Service-Point oder in einer Fahrkartenverkaufsstelle die richtige Zeitkarte vorzeigen.

Das ist das kleinere Übel, richtig unangenehm wird es, wenn man keinen Fahrausweis vorweisen kann und mit rotem Kopf diesen lange sucht. Letztens erlebte ich, wie geduldig und verständnisvoll echte Profi-Kontrolleure sein können:

Am U-Bahnhof Alexanderplatz stiegen zusammen mit zig anderen Fahrgästen auch fünf blau uniformierte BVG-Mitarbeiter ein, verteilten sich in der Tram und verlangten „Die Fahrausweise zur Kontrolle bitte!“ Alle Mitfahrer stöhnten auf, einig hatten das Verlangte sofort in der Hand und konnten weiterlesen oder –dösen, andere suchten und kramten und hatten dann das Papierchen endlich gefunden. Ich war auch bald an der Reihe, diesmal ritt mich der Teufel: Ich ließ mir den BVG-Ausweis nochmal zeigen und betrachtete ihn von vorn und hinten. Der Kommentar des Blaugewandeten war „Jutet Bild, wa?“

Die junge Frau, welche vor mir saß, war schon seit Kontrollbeginn in hektische Betriebsamkeit verfallen und durchwühlte ihr umfangreiches Reisegepäck. Der Kontrolleur stellte sich neben sie und meinte: „Nehm’se sich ruhij Zeit, wir fahren ne jute Stunde.“

Hochroten Gesichts murmelte die Frau, dass sie die Fahrkarte in Wannsee hundertprozentig eingesteckt habe. „Na klar – suchen Se ma jenau weita.“ Sie kramte, stapelte den Inhalt einer Reisetasche auf den Nebensitz, zerrte an den Reißverschlüssen eines mittleren Koffers und gab dem verdutzten BVGler ihr Beautycase zum Halten. Er nickte verständnisvoll dazu: „Noch zwanzig Stationen Zeit.“ Nun war das Gepäck fertig durchsucht und die offenbar zahlreichen Innen- und Außentaschen waren an der Reihe. Ein glücklicher Aufschrei: Im ledergebundenen Notizbüchlein fand sich der begehrte Fahrschein und er hielt der Prüfung stand: Tarifzone „C“, abgestempelt um 06:25 Uhr in Berlin-Wannsee.

„Danke und jute Weiterfahrt“ sagte der nette BVG-Mann und stieg dann mit seinen Kollegen an der nächsten Haltestelle aus. Sie frozzelten noch „War jut jespielt von Deine Freundin, hattest nur die eene Kontrolle. Wir ham den Rest jemacht.“/HT

Tags: Nachtgeschichten

Von: BS