Unser Nighty erzählt … heute eine neue Tramgeschichte

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Unser Nighty erzählt … heute eine neue Tramgeschichte

August 17th, 2014· 2 Kommentare

M6

 

 

Erlebnisse in der Tram oder Theater ohne Geld

Ich wartete an der Haltestelle auf „meine“ M6; es nieselte ein wenig. Nach einigen Minuten kam ein junger Mann mit einem pinkfarbenen Kinderregenschirm, klappte diesen zusammen und sah auf seine Uhr. Da meldete mein Handy eine SMS. Ich beschäftigte mich nun damit und nahm neben mir einige Bewegungen wahr. Der Wartende balancierte das Schirmchen auf der Spitze seines linken Zeigefingers, warf es dann steil in die Höhe, um es dann ohne direkt hinzusehen, wieder aufzufangen. Gut, dachte ich, es gibt halt geschickte Menschen. Was jetzt folgte, war eine Glanzleistung: Der Kinderschirm wanderte, von flinken Händen bewegt, um den Oberkörper, landete mit dem Griff auf der Männerstirn und wurde dort stehend, einige Meter spazieren getragen. Eine fließende Bewegung und das Utensil stand umgekehrt und aufgespannt auf der rechten Schuhspitze des Mannes. Ich glaubte mich im Zirkus! Richtig – seit einigen Tagen stand ein großes Zirkuszelt mit vier Masten und der dazu gehörenden Wagenburg auf der Freifläche zwischen unserem Wohngebiet und dem blau-gelben Möbelriesen. Ich konnte also nun die Wartezeit kostenlos mit einer kleinen Privatvorstellung des Artisten überbrücken. Nach dem Einsteigen in die Tram lud ich ihn als Dankeschön zum ebenfalls kostenlosen Mitfahren ein (Das ist mit einer Monatskarte wochentags ab 20:00 Uhr und am Wochenende von 09:00 Uhr an vollkommen legal.). Er freute sich und so fuhren wir gemeinsam einige Stationen.

In der Tram kann man nicht nur unterschiedliche Modestile der Menschen betrachten, nein neuerdings auch Tiermode bestaunen. Da gibt es seit einiger Zeit die tollsten Aufschriften an den Halsbändern und Hundegeschirren zu sehen: „Kuscheltier“, „treue Seele“ etc.. Hervorgegangen ist das aus den Schildern „Begleithund“, „Therapiehund und ähnlichen nützlichen Bezeichnungen. Letztens saß neben seinem Herrchen eine französische Bulldogge mit dem Satz „Immer ich!“ auf dem Brustgeschirr. Der Hund hatte nicht nur herrlich große Ohren, sondern trug auch noch ein Cape aus dunklem Lodenstoff. Das I-Tüpfelchen und wahrhaftig zum Schreien komisch war die Kapuze, welche auf seinen muskulösen Schultern zwei Nummern zu klein wirkte. Die Dogge war offensichtlich partymüde von den Weihnachtsfeiern und kuschelte sich, ein Ohr hochgestellt, in die Sitzschale. Bald darauf schniefte sie und schlief fest.

In der Vorweihnachtszeit und auch während der Weihnachtsfeiertage war „meine“ Tram gut gefüllt. Die Fahrgäste schleppten viele Tüten und Päckchen. Einige trugen auch Glühwein und Punsch in „to-go-Bechern“ mit sich und nippten auch während der Fahrt daran. Die Stopps an den Haltestellen dauerten aus den genannten Gründen länger als sonst.

Ach ja, Fahrscheinkontrollen gab es auch häufig, nur an Heiligabend und am 1. Weihnachtsfeiertag hatten die Kontrolleure frei./HT

Tags: Allgemein · Nachtgeschichten

Von: BS

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 AS // Jan 26, 2012 at 10:53

    Ja ja , dass Erlebnis “ Bahn fahren “ kenne ich auch noch aus meiner Abi- & Ausbildungszeit. Sehr „nett“ sind auch die Bauarbieter, die schon morgens um 7 Uhr Ihr erstes Bierchen zischen und dem entsprechend auch den Duft in der Bahn verteilen.Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich nicht mehr von Bahn & Co. abhängig bin.

  • 2 nm // Jan 26, 2012 at 12:19

    ich freue mich immer auf die Annekdoten aus der Bahn…. weiter so!!