Blog Hotel Sylter Hof *Berlin*

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Unser Nighty erzählt … heute entführt er uns in die Zukunft

September 20th, 2014· Keine Kommentare

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Feines Diner 2053

Ich wurde von dem Gastrobot zu der reservierten Nische im Futudrom geleitet: Er glitt, schwarz befrackt, eine weiße Serviette über dem rechten, angewinkelten Arm, auf Kunststoffrollen lautlos vor mir her und stoppte dann an der „22“. Elegant und doch mit Maschinenkraft schob er die Sitzscheibe in Position. Auf dem Schwebemonitor erschien ein netter Gruß und dann perlte Zeile für Zeile das „Gourmet-Feeling“ – zu Deutsch die Speisekarte – über den Bildschirm. Mit Hilfe des Laserpointers konnte ich meine Auswahl markieren und der Vinobot rollte heran. Bei ihm konnte ich meine Getränke anhand einer Molekular-Geschmacks-Palette zusammenstellen. Ich hatte als Aperitif einen 1982er Koffeinmix (damals hieß das Whisky-Cola), zum Hauptgang den immer noch sündhaft teuren (obwohl Kenner wissen, dass er aus Holzspänen mittels Molekülcrashs hergestellt wird) 2000er Lafitte und passend zum Dessert einen Überraschungscocktail (dabei blinkte beim Vinobot eine rote Leuchtdiode). Also war da irgendein Psycho-Surrogat im Spiel; na schön, ich wollte halt überrascht werden. Kaum hatte der Vinobot die Nische verlassen, tauchte eine grün/gelb gewandete Gestalt auf und stellte sich als Vitabot vor. Sie hatte eine Menge Röhrchen als Salatvariationen anzubieten und ich entschied mich für einen Karotten/Minze/Birnen-Salat mit Süßrahmdressing. Pling! Das Licht erlosch, vor mir erschien als Hologramm ein komplett gedeckter Tisch und klassische Musik erklang. Genüsslich leerte ich das Salatröhrchen, tupfte mit einer echten Serviette den Mund ab und nahm die Getränkeperlen aus dem Schälchen. Mmmh – gut aromatisiert und erfrischend kühl. Flink wurde abgeräumt und der Hauptgang serviert. Ich hatte Filet vom Weidelamm, Serviettenknödel Linzer Art und Variationen von Zuckerschoten und Muskatkürbis mit Steinpilz-Espuma gewählt. Der Einstich zur Nahrungsinfusion war kaum zu spüren, die Erotobotin lenkte mich dabei gekonnt ab. Dazu baute sich ein Tafelhologramm vom Feinsten mit Bisquitporzellan und Sterlingsilberbesteck auf. Ich genoss das eine ganze Weile und wie erwartet, stellte sich das Sättigungsgefühl bald ein. Nachdem der kostbare Rotwein ausgetrunken war, ging es mit dem Dessert weiter. Ich hatte Yak-Eis aus dem Nepal mit karamellisierten Aruja-Kirschen aus dem Tessin geordert. Es war ein Aromagewitter! Dazu noch der Überraschungscocktail – einfach himmlisch. Das im Cocktail enthaltene THC erzeugte einen leichten Schwebezustand, welcher auch noch anhielt, als der Cashobot mir die Rechnung auf seinem Display präsentierte.

Was waren schon 2.720 Credits gegen einen genussvollen Abend in der Panaroma-Restaurant-Vision des „Sylter Hof“!

Tags: Allgemein · Nachtgeschichten

Von: BS