Blog Hotel Sylter Hof *Berlin*

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Tramgeschichten oder Theater ohne Geld

August 9th, 2015· Keine Kommentare

M6

 

 

Unser Nighty erzählt …

NightyB

 

 

 

 

Es war wieder einmal voll geworden in „meiner Tram M6“, viele Leute hatten das Sonderangebot vom gelbblauen Riesen reichlich genutzt und waren nun kaum zu sehen hinter den Riesentöpfen mit Orchideen, klappbaren Wäscheständern etc.

Alle waren eingestiegen, der Tramfahrer hatte abgeklingelt, die Bahn fuhr nicht. Das wiederholte sich mehrfach. Wir Fahrgäste vermuteten einen Defekt. Der Fahrer eilte dann aus seiner Kabine zu einem jungen Mann mit Rastalöckchen und belehrte ihn: „Mann jeh ma weg von de Stange, et is keene Anlehnstange sondan eene Haltestange!“ Im Klartext: Der Mann hatte den Anhalteknopf durch das Anlehnen mit seinem Oberkörper ständig gedrückt, dadurch wird die Fahrschaltung der Straßenbahn blockiert. Wieder etwas gelernt!

Beeindruckt war ich vor einigen Tagen von der Hilfsbereitschaft und dem Serviceverständnis eines Tramfahrers (sicher handeln alle Fahrer/innen so): An der Haltestelle Marienkirche/Ecke Spandauer Straße wartete gemeinsam mit mir ein blinder junger Mann. Die M6 hatte kaum angehalten und die Türen zum Einsteigen geöffnet, da sprach der Fahrer den Blinden an: “Das ist die M6 Richtung Riesaer Straße.” und bot ihm gleichzeitig mit mir Hilfen beim Einsteigen an. Super!

Weniger schön war ein anderes Erlebnis: Eine junge Mutti stieg mit einem im Buggy sitzenden Mädchen in die Tram. Während des Fahrens stellte die Kleine fest: “Mama das ist die “6”. “Richtig, wir fahren mit der M6”. “Ich finde Straßenbahnfahren schön”. “Ich nicht, es ist voll eklig”. “Wieso?” “Na, weil man da mit 100 anderen Leuten zusammen in einer Bahn ist”. Dieser Dialog stieß bei allen Mithörenden auf vollstes Unverständnis, was sollte das Kind daran eklig finden? Bei dieser Aversion gegen das Tramfahren hätte die Mutter ja auch ein Taxi oder den eigenen PKW benutzen können!

Ein wenig hektisch wurde es, als ein junges Pärchen feststellte, dass es a) in der falschen Richtung unterwegs war und b) an der Einstiegshaltestelle einen Teil des Einkaufes vergessen hatte. Der Fahrer regelte alles mit dem Kollegen in der nachfolgenden Tram und das Pärchen konnte beim nächsten Halt das Vergessene in Empfang nehmen sowie auch in die richtige Bahn umsteigen. /ht

Tags: Nachtgeschichten · Vom Sylter Hofe

Von: BS