Blog Hotel Sylter Hof *Berlin*

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Unser Nighty erzählt … über Berliner Spezialitäten

November 7th, 2016· Keine Kommentare

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Der Berliner liebt ja zuallererst die Gemütlichkeit, an zweiter Stelle folgen die leiblichen Genüsse – also Essen und Trinken. Und da gibt es allerhand Spezielles: Eisbein, Sauerkraut und Salzkartoffeln; Bulette mit Senf, Currywurst (möglichst bei Curry 36 oder bei Konopke), Rollmops mit Sahnetunke ….

Zu gewesenen Zeiten (welche ich zum Glück noch erlebt habe), gab es in den typischen Berliner Eckkneipen noch den berühmten „Hungerturm“ – eine Standvitrine auf dem Tresen, gefüllt mit Sol-Eiern, Buletten und Rollmöpsen. Sol-Eier sind äußerst hart gekochte Eier, welche angeknickt in eine starke Salzlösung (Sole) eingelegt werden. So bleiben sie mehrere Tage ungekühlt haltbar. Zur Geschmacksabrundung werden oft Gewürze (Pfeffer- oder Piment-Körner, Kümmel und verschiedene Kräuter (Estragon, Liebstöckel) der Sole hinzugefügt. Aufbewahrt wurden sie in einem größeren Glas mit Deckel in besagtem Turm und stückweise verkauft. Gegessen werden sie so: Eier halbieren, den Dotter herausnehmen, in die Vertiefung etwas Senf oder Pfeffer und Salz geben, den Dotter wieder zurücklegen und das Ganze dann mit einer zünftigen Molle genießen.

Die Buletten wurden von den Wirten nach eigenen Rezepten ebenfalls selbst hergestellt, meist bestanden sie aus einem Schweine-/Rindfleisch-Hack-Gemisch, eingeweichten Brötchen oder Weißbrot, Eiern, reichlich gehackten Zwiebeln und gut mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Paprika abgeschmeckt. Die Bulettenmasse wurde dann in tassengroße Portionen aufgeteilt, per Hand geformt und in reichlich Fett in Eisenpfannen gebraten. Die Kneipenbesucher nannten sie liebevoll-ironisch auch „Bremsklötze“ (wegen ihrer oft festeren Konsistenz) und verzehrten sie gern mit reichlich Senf.

Rollmöpse sind Heringslappen, welche 35 Tage lang in eine Essig-Salz-Lake eingelegt, dann gerollt und entweder mit einer sauren Gurke oder einem Zwiebelstück gefüllt werden. Ein Holzspießchen hält sie bis zum Verzehr in Form. Dazu wird gern eine Zwiebel-Sahne-Tunke gegessen, deren Zubereitung sich aus dem Namen ergibt. Auch diese Happen waren im „Hungerturm“ zu finden, natürlich geruchsdicht verschlossen. Wie bereits oben angemerkt, in der Vergangenheit in fast allen Kneipen Berlins zu finden.

Eisbein, Sauerkraut und Salzkartoffeln kann man ebenso wie Buletten und Rollmöpse mit den verschiedensten Beilagen in Gaststätten und Restaurants mit deutscher Küche genießen. Dazu ein frisch gezapftes Berliner Bier (Molle) oder auch in der wärmeren Jahreszeit eine „Berliner Weiße mit Schuss“ (Waldmeister- bzw. Himbeer-Sirup – einfach himmlisch! Wobei zur „Molle“ ganz stilecht auch ein Korn gehören sollte. Guten Appetit wünscht der Nighty./HT

 

 

Tags: Nachtgeschichten · Vom Sylter Hofe

Von: BS