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Unser Nighty erzählt … von einem Silvesterkarpfen

Dezember 30th, 2016· Keine Kommentare

NightyB

Seine Frau war unerbittlich – „Silvester gab es schon immer selbst geangelten ‚Karpfen blau‘, dieses Jahr wieder und auch in Zukunft!“ Jörg gab sich geschlagen, schließlich konnte man alte Familientraditionen nicht einfach so unter den Tisch kehren. Er prüfte seine Angler-Utensilien und wartete auf Frost, genauer gesagt – starken bis strengen Frost. Die Natur tat ihm jedoch den Gefallen nicht, die Novemberstürme kamen zwar pünktlich wie immer, entwurzelten traditionsgemäß Bäume und deckten Dächer ab, brachten aber nur Nieselregen und Plusgrade. Also Warten auf den Weihnachtsmonat! Am Stammtisch war das Wetter Thema Nummer 1; die Alten nickten nur bedeutungsvoll, wenn die anderen über Klimawandel und Umweltverschmutzung sprachen. Opa Brösel schmunzelte listig in sich hinein und verwies auf die Monatsmitte, wenn man ihn auf Frost ansprach. Eines Morgens, Jörg wollte gerade den Hof verlassen, rutschte er aus. Toll – es hatte gefroren, dachte er und nahm die „Glätte“ näher unter die Lupe. Es roch verdächtig nach Hunde…cke! Verdammt, aber es waren ja noch 2 Wochen bis zum Jahreswechsel. In der Kreisstadt überlegte man schon, ob die Biergärten wieder eröffnet werden sollten – so mild war es um Weihnachten noch nie gewesen! Jörg beratschlagte mit seinen Angelfreunden und sie beschlossen, das Eisangeln in normales Nachtangeln umzuwidmen. Samstag versammelten sie sich kurz vor Mitternacht und fuhren zum See. Dort wurden die Thermoskannen mit Glühwein und Grog begutachtet und bei „Petri Heil“ prosteten sich die fünf Angelfreunde in Stimmung. Dann bestückten sie ihre Angeln mit allerlei „geheimen“ Ködern und warfen sie aus. Die Wellen plätscherten sacht ans Ufer, die Schwimmposen hüpften auf und nieder und selbiges taten nach einer Weile auch die Angler, denn es war kühl geworden. Plötzlich ein Aufwallen im Wasser, schnell an die Angeln! Doch es war nur ein Bleßhuhn, das nicht schlafen konnte wegen der Leute am Ufer. Jetzt zuckte eine Pose, Spulen, Spulen und dann zappelte ein Gründlingsbaby im Gras. Wenig später war es eine Mini-Rotbarbe, dann ein Peizkerlein. Sie hatten kein Glück – alle angelandeten Fischchen waren unter Maß und mußten in den See zurückgeworfen werden. Der Morgen dämmerte bereits, alle Heißgetränke waren aufgebraucht. „Das wird ein Silvester“ klagten die Angler und beschlossen, auf Kartoffelsalat und Würstchen umzusteigen.
Jörg nicht, er fuhr am 30. Dezember in die Stadt, verkroch sich nach seiner Rückkehr in seiner Werkstatt und zog nachts los „Angeln“ sagte er seiner Frau. Am Silvestermorgen schwamm dann in der Badewanne ein Ungetüm von Karpfen; große kupfer und golden glänzende Schuppen bedeckten seinen mächtigen Rücken. Die Frau lobte Jörg, nahm den Fleischklopfer und begann nach dem Schlachten mit der Zubereitung des Karpfens. Er schmeckte wie immer allen vorzüglich.
Das neue Jahr begann und Jörgs Jacke mußte gesäubert werden. Die Frau des Hauses leerte die Taschen und hatte auf einmal einen Kassenbon über „Spiegelkarpfen 5230gr 36,25 €“ in der Hand!/HT

 

 

 

(PS: Das soll kein Karpfen, sondern ein Blesshuhn sein. Anm. d. Red.)

Tags: Nachtgeschichten

Von: BS