Unser Nachtportier erzählt – Von Gästen, Typen und Longstays

Blog Hotel Sylter Hof *Berlin*

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Unser Nachtportier erzählt – Von Gästen, Typen und Longstays

Juni 10th, 2017· Keine Kommentare

NightyB

 

 

 

 

 

 

Kein Tag im Hotel ist wie der andere, immer wieder mischt das Leben die Situationen neu.
Deshalb finde ich meine Arbeit auch so interessant und spannend zugleich.
Es ist sicher kein großes Geheimnis, daß Hotelgäste in verschiedene Gruppen eingeteilt werden:
Tagesgäste (Gäste, welche nur eine Nacht bleiben)

  • Kurzurlauber/Wochenendgäste (sie haben meist 2 bis 3 Übernachtungen gebucht
  • Longstays (Gäste, die mindestens eine Woche, meist jedoch mehrere Monate im Hotel verweilen)
  • Stammgäste (Gäste, welche mehrere Male im Jahr übernachten, dabei ein bestimmtes Zimmer bevorzugen)
  • Gruppen/Veranstaltungsteilnehmer (sie bleiben in der Regel 2 bis 3 Nächte).

Das ist die grobe Einteilung nach der Anzahl der Übernachtungen. Nun kann man die Gruppen noch nach anderen Gesichtspunkten spezifizieren (Nationalitäten, Ess- und Trinkgewohnheiten, Freizeitverhalten, Fragestellern, Ansprüchen usw.).
Da wird das Ganze schon interessanter und unterhaltsamer. Gäste aus Italien und Spanien betrachten die Rezeption als allgemeinen Treffpunkt; alle Check-in-Formalitäten sind längst erledigt, ihre Fragen beantwortet und auch Weckrufe notiert; sie umlagern den Tresen in dichten Trauben.
Franzosen haben es eilig, ihr Zimmer zu sehen und verlassen das Hotel dann auch ebenso schnell, um Berlin zu erkunden. Gäste aus Skandinavien sind lange in der Stadt unterwegs, haben wenig Fragen und abends viel Durst. Ebenso auch Iren.
Reisende aus den osteuropäischen Ländern sprechen gern Englisch, auch untereinander und haben viele Fragen. Unsere Landsleute wollen meistens wissen, ab wann es Frühstück gibt und wie lange.
Der Weckdienst wird auch am meisten von Deutschen gewünscht.
Gäste aus Österreich füllen ungern die Meldescheine aus, sind aber gemütlich und mitteilsam. Die Gäste von jenseits des „Großen Teiches“ haben meist technische Fragen (Telefonieren mit Kreditkarte, Internet, Regelung der Wassertemperatur) und leiden sehr oft an Jetlag. Das bekommt der Nachtdienst in Form von hungrigen Frühaufstehern zu spüren.
Gäste aus Asien sind eigentlich „pflegeleicht“, sie kommen meist als Gruppen und haben wenig ausgefallene Wünsche. Das wiederum haben niederländische und belgische Reisende umso mehr.

Bei Jugendgruppen, welche meist auf Klassenfahrt nach Berlin und in unser Hotel kommen, braucht man schon ein etwas strapazierfähigeres „Mentalgefüge“, gepaart mit vieeel Toleranz.
Aber es hält mich jung, wenn ich diese Generation sehe und erlebe – trotz aller nationalen Besonderheiten – ist das Auftreten und Sozialverhalten (oder nicht ganz so gehoben formuliert: ihr Balz- und Imponiergehabe) immer gleichen Regeln und Abläufen unterworfen.

Die „Longstays“ bekomme ich kaum zu sehen, sie sind meist aus beruflichen Gründen in Berlin, trinken mal einen Absacker oder schauen mal kurz in die Fußball- oder anderen Sportsendungen.

Bei den Stammgästen freut man sich gern aufs Wiedersehen, ein Smalltalk oder meist auch längerer Plausch gehört dann zum Einchecken dazu.

Der Hotel-Alltag ist facettenreich (man rettet nicht wie in gängigen Serien ständig neue Ehen oder erledigt ausgefallene Wünsche von VIPs), jeden Tag anders und ich bin gern ein Teil davon./HT

Tags: Nachtgeschichten · Vom Sylter Hofe

Von: BS